Vermisst im Viertel - Dialog zwischen Kunst und Soziologie
Vermisst im Viertel - Dialog zwischen Kunst und Soziologie
14 Okt. 2025
Dienstag, den 14. Oktober 19:00 I frei I ICFA I fr./dt. Ohne sich gesucht zu haben, haben sich eine französische Künstlerin, Carole Lataste (Bordeaux), und ein deutscher Soziologe, Sebastian J. Moser (Tübingen), gefunden. Was verbindet sie? Ihre gemeinsame Leidenschaft für einen Gegenstand des Alltags: die Suchanzeige. Dieses Objekt, das die Laternenpfähle in Wohnvierteln ziert und manchmal in einer sorgfältig mit Klebeband befestigten Plastikhülle steckt, erzählt die Geschichte eines schmerzhaften Verlusts und drückt den Wunsch aus, die zerbrochene Verbindung wiederherzustellen. Die Künstlerin zeichnet sie mit einem blauen Kugelschreiber, einem der beliebtesten Schreibgeräte, nach. Sie bleibt dem Original treu und erstellt eine ganze Sammlung davon, rahmt sie ein und stellt sie aus ... erneut ... indem sie sie in den Kontext der Kunst versetzt. Der Soziologe fotografiert sie, um sie zu bewahren und so für die hermeneutische Analyse zugänglich zu machen. Wie identifiziert sich der Verlierer als Eigentümer eines Gegenstands, über den er keine Kontrolle mehr hat? Wie weist er den möglichen Vorwurf einer unverantwortlichen Verwaltung seines Eigentums zurück? Der Künstler und der Soziologe werden beide von einer Intuition angetrieben: Die Suchanzeigen erzählen die Geschichte einer Hoffnung. Hoffnung auf ein glückliches Wiedersehen, Hoffnung auf Linderung des Schmerzes, Hoffnung auf bedingungslose bürgerliche Solidarität. Aber ist das wirklich so? Oder handelt es sich um eine humanistische Träumerei? Und, ganz wichtig, erlebt man den Verlust in Deutschland und Frankreich unterschiedlich? Um diese Frage zu beantworten, möchten Carole Lataste und Sebastian J. Moser ihre Sammlungen von Fahndungsaufrufen zusammenführen und gemeinsam darin eintauchen. Für die Ausarbeitung ihres transdisziplinären Forschungsprojekts planen sie zwei dreitägige Arbeitsphasen: eine an der Universität Tübingen und eine bei N’A QU’1 ŒIL, einem Verein in Bordeaux, der gegründet wurde, um Forschungen rund um das Buch durchzuführen. Um sich gegenseitig Zugang zu ihren Forschungsgebieten zu verschaffen, planen sie ethnografische Begleitstudien in Bordeaux und Tübingen. Im Mittelpunkt dieses ersten intensiven Dialogs steht jedoch die Frage nach der Form einer möglichen Zusammenarbeit zwischen Kunst und Soziologie. Welche Arten von Wissen können sie gemeinsam generieren? Welche Form wäre dafür angemessen? Was wäre die Zielgruppe? Präsenz der Künstlerin Eintritt frei
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